tl_files/website/img/headerbilder/AK3C9671sil_.jpg

Marcus Santl

Mein Reiterleben begann, als ich sechs Jahre alt war. Und beinahe wäre nichts daraus geworden, denn unsere Ärzte rieten meinen Eltern davon ab, mich mit Heuallergie und Asthma auf ein Pferd zu setzen. Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg: Ich überredete meine Eltern, und so bekam ich zum Geburtstag meine erste Reitstunde geschenkt. Die Liebe zu den Pferden war stärker als die Angst vor Atemnot! Von diesem Tag an durfte ich einmal die Woche auf den Reiterhof Schober nach Neukirchen zum Reitunterricht. Es ging mir körperlich nicht gut dabei, aber ich liebte trotzdem jede Minute bei den Pferden.

Ich hielt durch - ich konnte einfach nicht ohne die Tiere sein. Die Allergien wurden schwächer, und einige Jahre später fehlte mir - wie den anderen Kindern - gar nichts mehr. Ich hatte gewonnen! Und als Sieger wollte ich Abzeichen und Schleifen sammeln. Ich war ein ganz normaler Junger Reiter geworden.
 
Mit zwölf Jahren bekam ich mein erstes eigenes Pferd. Ein Fliegenschimmel. Meine Blacky. Es war ein ganz besonderer Moment in meinem Leben, und die Freude war riesengroß. Aus der Freude wurde recht bald Ratlosigkeit, denn meine wunderschöne Stute ließ sich von mir nicht anbinden, kaum satteln, auf der Koppel ließ sie sich nicht einfangen, und alleine ausreiten stand außer Frage, denn Blacky hatte panische Angst vor allem, was auf vier oder zwei Rädern durch die Landschaft rollte. Fehlkauf? Oder eine Herausforderung?
 
Ich wollte Blacky nicht hergeben. Ich konnte es nicht. Sie war das einzige Pferd gewesen, das sich mir bei unserer Suche zugewandt hatte. Trotz aller Probleme glaubte ich daran, dass sie bei mir sein wollte. Sie blieb, und nach langer Zeit voller Ruhe, Geduld und Liebe wurden wir ein Team. Wir gingen durch dick und dünn.
 
Als ich zwanzig war, zogen wir um in einen neuen Stall. Dort, in Mitterfels, hatte ich neben Blacky regelmäßig bis zu drei Berittpferde und kümmerte mich um sie wie um das eigene. Ich hatte viel Freude daran, mit diesen Pferden zu arbeiten und Reitern mit Rat und Tat, Tipps und Tricks zu helfen, um im Sattel ihrer Pferde weiterzukommen.
 
Durch den Wunsch, in der Reiterei voranzukommen, fanden Dinge Einzug in meinen Alltag, die ich damals als ganz normal hinnahm: Sporen, Gerte, scharfe Gebisse, Schlaufzügel und dergleichen. Über Jahre machte ich dieses Spiel mit und merkte lange nicht, welche Auswirkungen dies auf mich und mein Pferd hatte. Der reiterliche Fortschritt im sportlichen Sinne hatte einen hohen Preis: Blacky und ich verloren das unbeschwerte Vertrauen ineinander. Wir waren noch die besten Freunde und ein gutes Team, aber die vertraute Leichtigkeit war zur Vergangenheit geworden.
 
Ich wandte mich von den üblichen Gepflogenheiten ab und wechselte den Stall. Blacky und ich gingen nur noch ins Gelände, und wir machten viel Bodenarbeit. Wir fanden uns wieder. Die Leichtigkeit kehrte zurück. Und die Freude. Das unbändige Glück, eins mit meinem Pferd zu sein.
 
Wenn das Glück so groß ist, kann einem fast das Herz platzen - und man kann süchtig danach werden. Ich wollte mehr. Ich träumte von einem eigenen Fohlen, einem Fohlen von meiner Blacky! So kam im Mai 2000 Coco S (Luz) auf die Welt, und ich war selig.
 
Als Luz dreieinhalb Jahre alt war, fingen wir an, sie einzureiten. Zu sehen, wie sie sich weiterentwickelte und von Tag zu Tag besser wurde, war einfach wundervoll und oft überwältigend. Ich zog mit ihr in den Stall, aus dem ich Blacky bekommen hatte. Mittlerweile zu einem großen Gestüt herangewachsen, lernten wir dort weiter, und ich half bei der Ausbildung von Pferden bis zur Hohen Schule. Über Jahre konnte ich in diesem Stall - Yeguada Armin Rahn - wertvolle Erfahrungen in der Zucht und bei der Ausbildung von Pferden erlangen.
 
Doch ich wollte wieder mehr. Ich wollte meine große Leidenschaft zum Beruf machen, und so folgten mehrere Ausbildungen und viele Lehrgänge.
 
All dies sind die Grundlagen für die Entstehung von Caballo de Luz, dem Pferd des Lichts.